Men in Tights and Tailcoats | Mit Frack, Charme und Jeggings

Alte Oper Frankfurt
Sunday 8 December 2013 | Sonntag 8. Dezember 2013
SWR-Sinfonieorchester, Teodor Currentzis / Nikolai Lugansky (piano)
Wagner – Beethoven – Prokofiev

Alte Oper Frankfurt, 8.12.2013: SWR Sinfonieorchester, Teodor Currentzis (Leitung) & Nicolai Lugansky (Klavier)

(c) Alte Oper Frankfurt / Wolfgang Runkel

*** The following article is featured on BBC Music Magazine’s Blog ***

Greek conductor Teodor Currentzis has added his voice to the widespread protests against the proposed move to combine the SWR Symphony Orchestra with the Radio Symphony Orchestra Stuttgart.

Speaking at a SWR Symphony Orchestra concert in Frankfurt, Currentzis said that the move overlooked the fact that the orchestras have their ‘own identification, their own sound. The SWR Symphony Orchestra for instance is the best orchestra in the world for contemporary music.’

Currentzis’s words were by no means delivered to rows of empty seats. It’s one thing to fill the 2,500 seats of Frankfurt’s concert hall Alte Oper. To fill them on a Sunday night when there is so much else going on (in this particular case the premiere of Enescu’s Oedipe at the Oper Frankfurt) is definitely another. I, for one, was glad not to have been at the opera but to hear a splendid concert with all the right components: a great orchestra, an effusive yet capable conductor and an inspired pianist.

The SWR Symphony Orchestra performed a programme of Beethoven’s ‘Emperor’ Piano Concerto, Wagner’s Overture and Liebestod from Tristan and Isolde and Prokofiev’s phenomenal Seventh Symphony, which were all beautifully played by the SWR Symphony Orchestra. Currentzis, ever the eccentric, showed up in thick black tights and leather boots.

Holding a constant tension during the Wagner pieces, he managed to get the most out of the orchestra: smooth transitions, precise cues, remarkable intensity. I thoroughly enjoyed the buoyancy of both the playing and the pieces’ characteristics. And at a glance, pianist Nikolai Lugansky looks the polar opposite of Currentzis, so I was surprised by how well they worked together musically in the Beethoven Concerto.

The Russian soloist, who has recently been awarded the ECHO Klassik and who received a BBC Music Magazine Award in 2011, played with a refreshing lack of ego, sounding clear yet emotional without it ever being too much. There was a naturalness about Lugansky’s technically impeccable playing which made the music stand out, not the performer. ‘Currentzis has so many ideas and the orchestra is always integrated into the generation of new ones. It was absolutely perfect for this kind of music’, Lugansky said of the orchestra in an interview on the radio stations SWR2.

Currentzis’s speech came shortly after conducting Prokofiev’s Seventh. The concert came to a close with an ad-hoc rendition of the Symphony’s ending and Prokofiev’s ‘Dance of the Knights’ from Romeo and Juliet as an encore.

Nikolai Lugansky will be performing Beethoven’s ‘Emperor’ Piano Concerto in London at the Royal Festival Hall with the Philharmonia Orchestra and Pablo Heras-Casado on 9 March 2014. He has just released his new CD with the Deutsches Symphonie-Orchester Berlin under Kent Nagano,  featuring Edvard Grieg’s Piano Concerto and Sergei Prokofiev’s Piano Concerto No. 3.

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Es ist ja eine Sache, die 2500 Plätze der Alten Oper in Frankfurt vollzukriegen. Das an einem Sonntag Abend, an dem unter anderem zeitgleich in der Oper Frankfurt die Premiere von Enescus Oedipe stattfindet, zu schaffen, ist wiederum eine andere. Jedenfalls war ich ziemlich froh, nicht in der Oper, sondern in einem wunderbaren Konzert gewesen zu sein, das all die richtigen Bestandteile aufwies: ein herausragendes Orchester, einen exaltierten aber fähigen Dirigenten und einen genialen Pianisten.

Das Programm war eine interessante Mischung mit Werken aus den drei vergangenen Jahrhunderten – Beethovens 5. Klavierkonzert, Wagners Vorspiel zu Tristan und Isolde sowie Isoldes Liebestod und Prokofievs überwältigende 7. Sinfonie –, die großartig vom SWR Sinfonie Orchester unter der Leitung von Teodor Currentzis gespielt wurde. Currentzis, ein Exzentriker wie er im Buche steht, erschien in schwarzen Jeggings und schwarzen Lederstiefeln; zugegebenermaßen ein gewagter Look, der aber der ohnehin schon außerordentlichen, akustischen Leistung noch das gewisse visuelle Etwas verpasste. Aus dem Orchester holte er das Maximum an Klang heraus, hielt konstant die Spannung und überzeugte mit unhörbaren Übergängen, präzisen Einsätzen und einer bemerkenswerten Gesamtintensität. Besonders gefallen hat mir der Schwung, der in dem Ganzen steckte – nicht nur der der Aufführung, sondern auch der der Stücke selbst (im Übrigen war es eine nette Abwechslung, sich statt wie im Konzert wie in einer One-Man-Show in Modernem Tanz zu fühlen).

Was mich dann doch überrascht hat, war, wie gut der Solist des Abends – der international bewunderte Pianist Nikolai Lugansky – beim Beethoven-Konzert mit Currentzis zusammengearbeitet hat. Rein optisch hätten die beiden nicht unterschiedlicher sein können: Lugansky mit bravem Seitenscheitel und im Frack, Currentzis mit Undercut, Haarknoten und in Quasi-Strumpfhosen. Aber beide agierten so harmonisch miteinander, das war schon sehr überraschend. Der russische Pianist, der vor kurzem den ECHO Klassik für seine Rachmaninov-Klavierkonzerte erhalten hat, spielte ohne Tam-Tam um seine Person, keine übergroßen Gesten, nichts Gekünsteltes. In einer Zeit, in der Lang-Langs orgasmische Performances gefeiert werden, bin ich immer ganz angetan von einer erfrischend schlichten, aber ausdrucksvollen Darbietung. Lugansky, das ist klar, geht es um die Musik und nicht primär um den Künstler. „Currentzis hat sehr viele Ideen und die Musiker sind immer dabei. Es gibt keinen Widerstand, etwas Neues vom Dirigenten umzusetzen. Dieses Orchester ist absolute perfekt für diese Musik”, sagte Lugansky über seine Konzerterfahrung.

Obwohl der Abend eigentlich ziemlich vielseitig und energiegeladen war, gab es doch gegen Ende einen ernsthafteren Ton. Teodor Currentzis wandte sich nach dem letzten Satz des Rachmaninovs (in der düsteren Endungsvariante der beiden existierenden) ans Publikum und sprach offen über seine Empörung über die kommende Fusion des SWR-Sinfonieorchesters mit dem RSO Stuttgart im Jahr 2016. Aufgrund der finanziellen Lage wurde die Fusionierung endgültig vom SWR Intendanten festgelegt und wurde bis dahin von vielen Dirigenten kritisiert. Dabei ist diese Maßnahme nur ein Beispiel für die generellen Kürzungen in der deutschen Orchesterlandschaft. Das große Problem, so Currentzis, „sind die eigenen Stimmen der Orchester, ihr Klang und ihre Orientierung. Das SWR-Sinfonieorchester beispielsweise ist das beste Orchester der Welt für zeitgenössische Musik.“ Nichtsdestotrotz sei das Leben nichts „ohne Liebe und Hoffnung“, und so schloss das Orchester mit dem kurzen aber effektvollen Alternativende für die Sinfonie sowie dem ‚Tanz der Ritter‘ aus Prokofievs Romeo und Julia als resolute Zugabe.

Nikolai Lugansky hat vor kurzem ein neues Album mit  dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Kent Nagano herausgebracht und darauf Edvard Griegs Klavierkonzert sowie Sergej Prokofievs 3. Klavierkonzert eingespielt.

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